Coordes, Michael

 

Sportrait
von Michael Coordes
1996

Schon als Sextaner wollte MICHAEL COORDES immer wissen, was sein Vater an den Wochenenden denn so treibt, wenn er mit seinen Kegelbrüdern des Klubs FROHSINN unterwegs war. Immerhin füllte sich die Glasvitrine im elterlichen Wohnzimmer seit einigen Jahren unaufhaltsam mit Pokalen, Urkunden und Siegestrophäen. Der Wunsch, es seinem Vater nachzumachen, wurde immer stärker. Aber noch lange musste er quengeln und betteln, bis dieser endlich ein Einsehen hatte und den 12-jährigen an einem Sonnabend zum Jugendtraining auf die Kegelbahnen an der Pfingststrasse brachte.

In der bewährten Obhut der Jugendbetreuer des Peiner Kegler Vereins stellte sich schnell heraus, dass Gefühl für Kugeln und Anlauf vorhanden war. Bei Spiel und Spaß während des Kinder- und Jugendkegelns entwickelte sich das Talent. Sportliche Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. 1990 schaffte er mit dem Team der männlichen B-Jugend die Teilnahme an den Deutschen Asphaltmeisterschaften, und in den Einzeldisziplinen Bohle, Asphalt und 3-Bahnen kegelte er sich bis auf die Landesebene vor. Auch als A-Jugendlicher reihte er sich unter die Besten ein. Er wurde Bohle-Bezirksmeister und erreichte regelmäßig auf Bohle und 3-Bahnen die Landesmeisterschaften.

Schneller als erwartet wurde es für ihn dann ernst in der Welt er Erwachsenen. Der Club FROHSINN hatte den Zenit seiner Erfolge an der Schwelle zur Verbandsklasse überschritten, und als die personelle Abwanderung bedrohliche Ausmaße annahm, kam er als 15-jähriger an der Seite seines Vaters in dessen Klub zu seinen ersten Punktspieleinsätzen auf Bezirksebene. Um den Klassenerhalt zu sichern, reichte die Spielstärke zwar noch nicht aus. Aber die Wettkampferfahrungen, die er in 20 Punktspielen sammeln konnte und das regelmäßige Training mit gestandenen Keglern brachten ihn weiter.

Seine Wurfergebnisse steigerten sich, er gewann an Cleverness und Routine. Nach der Auflösung FROHSINNS 1991 fand er im Klub NIEDERSACHSEN 1908 eine neue Kegelheimat. Auf Anhieb wurde er in der Spielzeit 1992/93 in der Verbandsklasse eingesetzt. Zwei Wettkämpfe pro Tag mit immerhin 400 Wurf hielt er locker durch. Auf neutralen Bahnen in ganz Niedersachsen tummelte er sich fortan und wurde an der Seite seines Vorbildes Wolfgang Garbs zu einer sicheren Bank für überdurchschnittliche Ergebnisse.

Selbst kaum dem Jugendlichen-Alter entwachsen, war es für ihn selbstverständlich, sein Wissen und seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben. An Sonnabenden steht bei ihm das Kinder- und Jugendtraining auf dem Programm. Dabei ist verbissenes Training und Konditionbolzen nicht sein Ding. Er geht die Aufgaben lieber locker und flockig an. Gute Leistungen beginnen bei ihm im Kopf, aber nur, wenn er auch Spaß an der Sache hat.

Wenn sich der Peiner Kegelnachwuchs auf fremden Bahnen bewähren muss, ist er zuverlässig zur Stelle und coacht rund um die Uhr - und zwar freiwillig und ehrenamtlich. Derzeit hat das Abitur am Silberkampgymnasium für ihn Vorrang und danach der Einstieg in das Berufsleben. Aber sowohl der Jugendabteilung des Peiner Kegler Vereins als auch seinen NIEDERSACHSEN wird er erhalten bleiben.

Es gibt da nämlich noch ein paar alte Hasen aus Vaters frühen Kegeljahren, mit denen er regelmäßig seine Kräfte misst. Meistens bleibt er Sieger, denn auf den Kegelbahnen entwickelt der sanfte Coole Biss und Siegeswillen.

Nachtrag:
… das ist lange her. Seitdem ist viel geschehen. Beruflich hat es den jungen Familienvater nach Hannover gezogen, sein Vater, in Klub und Verein als „Der Lange“ bekannt, ist gestorben, und zum Kegeln hätte er zwar noch Lust, aber beim besten Willen keine Zeit mehr.

herbert stroppe
(Pressewart PKV)

 

letzte Aktualisierung: 28.04.2010