Fink, Marianne

 

Sportrait

Marianne Fink

von 2000

Vor mehr als 70 Jahren drückte die kleine Marianne Juli ihr Näschen hinter den Glasscheiben der damaligen Kegelanlage in der Braunschweiger Strasse platt und bestaunte die seltsamen Bewegungen der Erwachsenen so oft es ging. Heute ist die fast 80-jährige Marianne Fink immer noch mit dem Kegelsport verbunden, zwar nicht mehr als Aktive aber als sachkundige Begleiterin von Punktspielen und Meisterschaften, als Freizeitkeglerin und als Kassenwartin ihres Sportkegelklubs Silberkugel.

In der bewegten Zwischenzeit hat Familie Fink, wie zuvor die Julis, Peiner Kegelgeschichte geschrieben. Sie begann nach den Kriegswirren, als die Peiner Sportkegler bis 1954 in der Telgter Eulenburg ihr Domizil hatten, weil die zusammengebrochene eigene Kegelsporthalle noch nicht wieder aufgebaut war. Dort gründete Marianne Fink während einer der zahlreichen Siegesfeiern der männlichen Kegelhelden den ersten Peiner Kegelsportklub für Damen, die Silberkugel. In den folgenden 25 Jahren drehte sich das Familienleben fast ausschließlich um den Kegelsport. Zwei mal gelang ihr die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften und sechs Mal gewann sie die Landesmeisterschaft im Einzel und mit der Mannschaft. Mit ihrerm Klubteam schaffte sie sogar den Sprung die Landesliga der Bohlekeglerinnen

An ihrer Seite lenkte Ehemann und Kegelenthusiast Willi als Presse-, Sport- und Jugendwart die Vereinsgeschicke maßgeblich mit. Auch er kegelte sich bis zu den Deutschen Meisterschaften vor und erreichte mehrere Male die Landesmeisterschaften. Für beide wurde Sportkegeln zum Hobbie und zur großen Leidenschaft. Kein Wunder, dass auch beide Töchter das Kegeltalent ihrer Eltern geerbt hatten.Zum Kummer von Vater Willi verbreiteten Hela und Elke nicht den eigenen Namen in der bundesdeutschen Kegelwelt. Beide sammelten als Schubert und Hillegeist in den sechziger und siebziger Jahren acht Deutsche Meistertitel und eine kaum noch zu zählende Menge von Meistertiteln auf allen Ebenen.

Ihren letzten Wettkampf bestritt sie 1991. Danach kegelt sie nur noch aus Spaß an der Freunde zwei mal pro Woche, im Schützenhaus mit der Gemeinschaft Grün-Rot und an der Pfingststrasse mit dem Klub Silberkugel. Körperliche Wehwehchen, Verletzungen, lange Feiern vor einem Wettkampf und mentale Mißstimmungen als Grund für schwache Leistungen – all dieser modische Schnickschnack war nie ihr Ding. Sie war immer 100% bei der Sache, und wenn sie nicht siegte, waren andere eben besser.

Den anstrengenden Wettkampfbetrieb der 120-Wurf-non-stop überlässt sie heute den Jüngeren. Aber bei jedem Punktspiel der Zweitvertretung der Flotten Neun, mit der „ihre Mädels“ eine Spielgemeinschaft eingegangen sind,ist sie als Schlachtenbummlerin, Coach und Kegelsachverständige mit von der Partie. Ihr geschultes Keglerauge erkennt sofort, was an einem Wurf nicht stimmt: „Es beginnt schon beim Anlauf, der Aufsatz der Kugel sagt dann alles, und nach zwei, drei Metern, weiß man schon, was hinten fällt.“Bei jedem Fehlwurf leidet sie mit und es kribbelt immer noch, „den Jungen vorzumachen, wie es besser geht.“

Bei Vereins-, Bezirks- und Landesmeisterschaften ist sie stets zur Stelle, wenn die undankbaren Aufgaben des Anschreibens anfallen. Rund um die Uhr sitzt sie geduldighinter der Scheibe, betrachtet sie seltsamen Bewegungen der Akteure und notiert zuverlässig die geworfenen Holzzahlen – sogar für zwei Bahnen gleichzeitig.

Der Peiner Kegler Verein würdigte ihr über 40 Jahre anhaltendes Engagement und ihre Verdienste um den Kegelsport und ernannte sie Anfang des Jahres zu seinem Ehrenmitglied.

Nachtrag:

Für ihr Lebenswerk ehrte der Keglerverband Niedersachsen (KVN) die Jubilarin mit der Goldenen Ehrennadel.

geschrieben von Herbert Stroppe

 

letzte Aktualisierung: 03.02.2008