Grimpe, Anni

 

Sportrait

Anni Grimpe

von 1994

75 Jahre - und kein bißchen kegelmüde. Im Gegenteil. Wenn ihr Team Germania ruft, weil vor einem Wettkampf eine Kegelschwester fehlt, Anni Grimpe ist zur Stelle und zeigt den Enkeln, wie man siegt.

Die dienstälteste aktive Sportlerin der näheren und weiteren Umgebung fand spät zum Kegelsport. 1939 heiratete sie in die Peiner Kegel-Dynastie der Julis ein. Die Peiner Kegelgeschichte war maßgeblich von ihrem Schwiegervater Karl Juli geschrieben worden. Durch seine unermütiche Aktivitäten gelang es 1927, den Peiner Kegler Verein zu gründen.

Natürlich war Kegeln zunächst reine "Männersache". Die Herren der Schöpfung hatten allen Grund, stolz auf sportliche Erfolge zu sein. Immerhin räumte man Meistertitel gleich serienweise ab. Es gab keine Gau- oder Deutsche Meisterschaft mehr ohne Peiner Beteiligung auf vorderen Rängen.

Die Ehefrauen der Peiner Kegelgrößen waren schmückendes Beiwerk, wenn es galt zu feiern. Gelegentlich kam es schon mal vor, daß die "besseren Hälften" zu den Kegelabenden in die damalige Eulenburg mitgenommen wurden. Noch gut erinnert sich die Jubilarin an ihre ersten Kegelversuche: "Friedel gab mir viele gute Ratschläge. Dann hat er nur noch gestaunt. Ich war ziemlich gut und er nahe am Herzinfarkt." Immerhin wurde ihr Mann kurz darauf Deutscher Asphalt-Meister im Mannschaftswettbewerb. Aber Anni Grimpe hatte im "hohen" Alter von 34 eine Sportart entdeckt, die ihr auf Leib und Seele geschrieben war.

Kondition war nie ihr Problem. Unpäßlichkeiten oder Krankheit vor einem Wettkampf? ... "aber nicht bei unserer Anni!" Siegeswille packt sie bereits mit dem ersten Schrittauf dem Linoleum und läßt sie bis zum letzten der hundert Würfe nicht mehr los. Ihr "Gefühl" für Kugeln und richtiges Timing von Anlauf und Abwurf verschafft ihr oft den entscheidenden Vorteil, wenn ein Spiel auf der Kippe steht oder wenn es gilt,den Widerstand der Gegnerin zu brechen.

Titel und vordere Platzierungen von der Vereinsebene bis hinauf zu Deutschen Meisterschaften sammelte sie regelmäßig. Auf allen bundesdeutschen Kegelanlagen war sie zu Hause.Die letzten Landestitel erkämpfte sie 1984 auf der Bohlebahn und im Jahr darauf in der "Königsdisziplin" auf Asphalt. Seit Einführung des Punktspielbetriebes steht sie darüberhinaus für jeden Einsatz zur Verfügung.

Im Club Germania hat das Wort der Ehrenvorsitzenden großes Gewicht. Sportlich läßt sie den Jüngeren gern den Vortritt, aber im Notfall kann man mit ihr rechnen. Mit ihr rechnen muß man auch an jedem Trainingsdienstag. Pünktlich um 20 Uhr ist ihr Stammplatz besetzt, es ist der zweite von links, und das schon seit vielen Jahren.

Nachtrag:

Den Klub Germania gibt es leider nicht mehr - und Anni auch nicht. Beide haben Frauenkegeln in Peine gegründet und über den Kreis hinaus bekannt gemacht.

geschrieben von Herbert Stroppe

                                                                                             

 

letzte Aktualisierung: 29.12.2007